Was ist Freimaurerei ?

Wenn Sie das Wort ‚Freimaurerei‘ hören, woran denken Sie zuerst? Vermutlich schießen vielen von Ihnen sofort Bilder von geheimen Treffen in dunklen Räumen, mysteriösen Symbolen oder gar weltweiten Verschwörungen durch den Kopf. Kaum eine Vereinigung ist so von Mythen, Legenden und Vorurteilen umrankt wie der Bund der Freimaurer. Freimaurerei ist keine Suche nach magischen, esoterischen Geheimnissen oder übersinnlicher Erleuchtung. Sie ist stattdessen eine praktische Lebenskunst zur Bewährung im Alltag. Ziel ist die Einübung von Identität, Humanität und Toleranz im Hier und Jetzt

Freimaurer verstehen sich selbst nicht als Geheimbund, sondern als ein Bund mit Geheimnissen – ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Es geht um Werte, die heute aktueller sind denn je: Menschlichkeit, Toleranz und Brüderlichkeit.

Informationen über die Freimaurerei

Freimaurerei, der alte europäische Bruderbund weltoffener Humanität, kann mittlerweile auf eine wechselvolle Geschichte von fast dreihundert Jahren zurückblicken. Viele bedeutende Männer gehörten ihm an, mancher Anstoß zu politischen und gesellschaftlichen Reformen ist von ihm ausgegangen. Aber auch Verfolgungen, Verurteilungen und Verdächtigungen waren die Freimaurer ausgesetzt. Bis heute sind Ignoranz und Vorurteile an der Tagesordnung, wenn es um die Frage geht: Was ist Freimaurerei, und was ist sie nicht? Mit sechs Feststellungen sollen kurze, doch präzise Antworten auf die Frage nach Wesen, Form und Selbstverständnis der Freimaurerei gegeben werden.

Freimaurerei ist ein ethisch orientierter Bund

Der Tradition der europäischen Aufklärung folgend, bekennen sich die Freimaurer zu moralischen Werten und Überzeugungen. Der Frei­maurerbund entwickelt zwar kein eigenes ethisches System und versucht schon gar nicht, ethi­sche Überzeugun­gen in politische Programme zu übertragen. Dennoch gibt die Freimaurerei mit ihren alten Wertposi­tionen Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit, Friedensliebe und Toleranz Orientierungen und Maßstäbe für das Denken und Handeln ihrer Mitglieder vor. Im Vergleichen von Realität und Wert­maßstab, im gemeinsamen Nachdenken und in kritischer Selbstaufklärung sollen Verhaltensweisen und Umgangsstile eingeübt werden, die ein Umset­zen ethischer Überzeugungen in die Lebenspraxis des einzelnen Freimaurers bewirken. 

Freimaurerei ist kein Geheimbund oder eine Verschwörung

Der Freimaurerbund und seine Mit­glieder bekennen sich zu Demokratie und offener Gesellschaft, zu deren Verwirklichung viele Frei­maurer wesentlich beigetragen haben. Zweck, Organisation und Vorstände von Lo­gen und Großloge sind jedem Interessenten zugänglich. Viele Veranstaltungen der Freimau­rer sind heute öffentlich, und die im Auftrag der Großloge herausgegebene Zeitschrift kann auch von Nichtmitgliedern des Bundes bezogen werden. Die von den Freimaurern geübte Ver­schwiegenheit bezieht sich nur auf einige Einzelheiten des freimaurerischen Brauchtums und ist Symbol für den in jeder Gemeinschaft notwendigen Schutz von Freundschaft und persönli­chem Vertrauen. Mit jeder Art von Verschwö­rung hat Freimaurerei nichts zu tun.

Freimaurerei ein Freundschaftsbund

Über alle weltanschaulichen, politischen, nationalen und sozialen Grenzen hinweg wollen die Logen Menschen miteinander verbinden, die sich nach Herkunft und Interessenlage sonst nicht begegnen würden. Die Freimaurerlogen folgen damit ihrer alten Tradition, Trennendes zu überwinden, Gegensätze abzubauen, Verständi­gung, Verständnis und Freundschaft zu fördern sowie der Gefahr einer Isolierung der einzelnen Menschen in der modernen Arbeits- und Freizeitwelt entgegenzuwirken. Durch Offenheit für den Mitmenschen und seine Probleme will der Freimaurerbund nicht nur der Lebensgestaltung seiner Mitglieder dienen, sondern auch ein Modell für Partnerschaft in der Gesellschaft außer­halb der Logen bieten. Dass Freimaurerei bis heute in der Regel ein Männerbund ist – wenn es auch immer mehr Logen freimaurerisch arbeitender Frauen gibt –, ist auf die männerbün­dische Tradition der Freimaurerei zurückzuführen, soll Homogenität und Identität der Logengruppe fe­stigen und hat keinerlei diskriminierenden Charakter gegenüber Frauen. 

 

Freimaurerei ist Initiationsgemeinschaft und symbolischer Werkbund

Zur Festigung der zwischenmenschlichen Beziehungen, zur gefühlsmäßigen Vertiefung ethischer Überzeugungen und als Anleitung zur Selbsterkenntnis be­dienen sich die Logen alter, aus der Tradition der europäischen Dombau­hütten stammender Symbole und symbolhafter Handlungen (Rituale), in deren Mittelpunkt die feierliche Aufnahme (Initiation) des neuen Mitglieds in die brüderliche Gemeinschaft steht. Die „Entzauberung der Welt“ durch technischen Fortschritt und ge­sellschaftlichen Wandel sowie die hiervon geprägte Un­rast des Alltagslebens bedürfen eines Gegen­gewichts in Form von Nachdenklichkeit, Ruhe und Gelegenheit zum Sammeln neuer Kräfte. 

Freimaurerei ist weder Partei noch Interessenverband

Logen und Großlogen formulieren keine po­litischen Programme, nehmen nicht Teil an parteipolitischen Auseinandersetzungen und vertreten nicht die Interessen gesellschaftlicher Gruppierungen und Verbände. Dennoch hat die Freimaurerei eine politi­sche Wirkung: Als „Gemeinschaft toleranter Ungleichgesinnter“ leistet sie einen Beitrag zur Über­windung der schädlichen Auswirkungen politischer Konflikte zwi­schen Menschen, politischen Grup­pen und Nationen, mit der Verpflichtung zur Menschlichkeit thematisiert ein Grundziel jeder Politik, gemäß ihres Bekenntnisses zur Toleranz hilft sie, die politische Kultur im Sinne einer „streitbaren Gesprächsfähigkeit“ zu verbes­sern, und durch das Erörtern wichtiger Zeitfragen in den Logen trägt sie zur politischen Urteilsbil­dung ihrer Mitglieder bei. 

 

Freimaurerei ist weder Nebenkirche noch Ersatzreligion

Als diesseitsorientierte Freund­schaftsbünde mit primär ethischer Zielsetzung sind Logen und Großloge keine Religionsge­meinschaften und bieten folg­lich auch keinen Ersatz für Religion an. Die Freimaurerei entwickelt keine Theo­logie und kennt keine Dogmen und Sakramente. Dieses Symbol verkör­pert jedoch keinen eigenen freimau­rerischen Gottesbegriff, den es nicht gibt. Es begründet auch keine relativierende religiöse Minimalanforderung an den Freimaurer. Es ist vielmehr Ausdruck der Überzeugung, dass moralisches Handeln die Anerkennung eines überge­ordneten sinngebenden Prin­zips voraus­setzt, eines höheren Seins, das Ver­antwortung begründet und auf das die Ethik des Freimaurers letztlich rück­bezogen ist. 

Prof. Hans-Hermann Höhmann

Lessings Verständnis der Freimaurerei

Lessing beschreibt Freimaurerei als einen Bund von Menschen, die:

  • Vorurteile überwinden wollen

  • Menschen unabhängig von Stand, Religion oder Herkunft verbinden
  • sittliche Bildung fördern
  • an einer besseren Menschheit arbeiten

Für ihn war die „wahre“ Freimaurerei keine geheime Organisation mit mystischen Geheimnissen, sondern eine moralische und gesellschaftliche Idee. Ein berühmter Gedanke Lessings lautet sinngemäß:

Freimaurer sind Menschen, die versuchen, das Gute zu tun,
bevor Gesetze oder Staaten dazu zwingen.